Das teuerste ferngesteuerte Auto der Welt
- Michael Bosch
- 27. Feb. 2020
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Feb. 2025
English summary: "The Most Expensive Remote Controlled Car in The World"
The article takes a closer look at the Porsche-Kopernikus Automotive collaboration for autonomous driving in the workshop. The project "Autonomous Driving in the Workshop", which was initiated in 2017 by the startup Kopernikus has "...after a one-year field test in Ludwigsburg ... shown that it works. The Leipzig-based team [simply] put the cart before the horse so to speak: The car does not drive itself, instead it is controlled by an artificial intelligence (AI). The AI is a rather inconspicuous computer that stands in a small room next to the workshop. It is hardly distinguishable from a commercially available model; its computing power and graphics card are the same as those of a modern PC. With its help Kopernikus co-founder and CEO Stefan Jenzowsky's team has turned the hybrid Cayenne into the world's most expensive remote-controlled car."
The AI technology uses "...the help of twelve permanently installed cameras...to learn to locate the vehicle, orient itself and recognize other objects, such as cars or people moving around." According to the Kopernikus programmers this means that the routes the car takes are not static and pre-defined but rather "dynamically adjusted depending on the situation." Visualized this means that the AI considers anything that moves around as squares, including itself. "If you look at it that way, 'driving a car is then nothing more than preventing the rectangles of different sizes from colliding,' says Stefan Jenzowsky. What sounds so simple is in reality [actually] extremely complicated...but relatively affordable. That alone makes the idea attractive to contract workshops."
The fact that Kopernikus was able to realize this idea of autonomous driving with a project partner like Porsche is extremely meaningful. Porsche, which places so much emphasis on the "Driver Experience", i.e. the actual interaction between driver and car, in that sense was an unlikely partner for delegating the control away from the driver to an AI. It "...shows that the carmaker has certainly recognized the signs of the times. However, it has probably also made them aware of how long it will take before cars can also drive on the road on their own. Stefan Jenzowsky points to the USA and China where the environment for startups working on autonomous driving is much better."
In Ludwigsburg hat ein Start-up gemeinsam mit Porsche autonomes Fahren in der Werkstatt erprobt. Ein Besuch zeigt: Die Technologie funktioniert. Die Vorteile für die Hersteller liegen auf der Hand - aber was haben Autofahrer davon?
Kurz scheint sich der Sportwagen noch zu sträuben, dann zuckelt er los. Nicht, wie man es von einem PS-Ungetüm erwarten würde, sondern eher langsam, fast vorsichtig bahnt sich der Porsche seinen Weg über den Hof. Dass er so gemächlich unterwegs ist, am Tor zweimal die Richtung korrigiert, beÂvor er in Schrittgeschwindigkeit in die Werkstatt rollt, hat einen Grund: Der Sportwagen fährt von selbst. Wobei von fahren kaum die Rede sein kann, vielleicht noch von rangieren. Auf dem WerksgelänÂde im Tammerfeld in Ludwigsburg kann man einen Eindruck davon bekommen, wie schwer die Aufgabe ist, einem Auto beizubringen, selbst zu fahren - und sei es nur vom Parkplatz bis auf die Hebebühne.
„Das ist ein bisschen wie bei einem Staubsauger," sagt Alexander Haas, ProÂjektleiter bei Porsche, mit einem Tablet in der Hand, mit dem er dem Cayenne den Befehl geben kann, loszufahren. ManchÂmal fahre sich der Staubsaugerroboter fest, in aller Regel findet er aber einen Weg aus der verzwickten Lage, sagt Haas. So ist es beim Cayenne auch.
Das Start-up Korpernikus Automotive hat an der Aufgabe „autonomes Fahren in der Werkstatt" seit dem Jahr 2017 getüfÂtelt - und nun, nach einjährigem FeldverÂsuch in Ludwigsburg gezeigt, dass es funkÂtioniert. Wobei die Leipziger das Pferd quasi von hinten aufgezäumt haben. Das Auto fährt nicht selbstständig, eine KünstÂliche Intelligenz (KI) steuert es. Die KI, das ist ein ziemlich unscheinbarer ComÂputer, der in einem Räumchen neben der Werkstatt steht. Von einem handelsübliÂchen Fabrikat unterscheidet er sich kaum, Rechenleistung und Grafikkarte entspreÂchen der eines modernen PCs. Mit seiner Hilfe hat das Team von Kopernikus-MitÂgründer und Geschäftsführer Stefan JenÂzowsky aus dem hybridbetriebenen CaÂyenne das teuerste ferngesteuerte Auto der Welt gemacht.
Ein virtuelles Modell aus 5000 Fotos
Bis der über 500 PS starke Bolide die rund 30 Meter unfallfrei zurücklegen konnte, waren unzählige Testfahrten nötig - virtuÂell spulte die Künstliche Intelligenz rund eine Million Kilometer ab. So lernte die KI immer mehr dazu. Dabei griff sie auch auf Telemetriedaten des Fahrzeugs zurück, um beispielsweise herauszufinden, wie stark das Fahrzeug beschleunigen muss, um es über die kleine Steigung vor der Werkstatt zu schaffen. Zu Beginn des Projekts hatten die IngeÂnieure einen virtuellen Zwilling der WerkÂstatt aus circa 5000 Handyfotos erstellt, sozusagen die Teststrecke. Auf der wurde der Computer - die Experten sprechen von neuronalen Netzen - ein halbes Jahr trainiert. Die KI musste mithilfe von zwölf fest installierten Kameras - auf dem Hof und in der Werkstatt - lernen, das FahrÂzeug zu lokalisieren, sich zu orientieren und andere Objekte, wie zum Beispiel Autos oder Menschen, die sich bewegen, zu erkennen. Den Entwicklern ist es wichÂtig herauszustellen, dass die Fahrten nicht programmiert werden, sondern der FahrÂweg je nach Situation dynamisch angeÂpasst wird. Für den Computer sind MenÂschen und alle anderen Objekte nichts anderes als Vierecke, genauso wie das zu steuernde Fahrzeug. Wenn man es so seÂhe, sei „Autofahren dann nicht mehr, als zu verhindern, dass die verschieden groÂßen Rechtecke zusammenstoßen", sagt Stefan Jenzowsky. Was sich so banal anÂhört, ist in Wirklichkeit natürlich extrem kompliziert, aber relativ erschwinglich. Schon das macht die Idee für die Vertragswerkstätten attraktiv.
„Der Servicemitarbeiter kann sich zum Beispiel das richtige Werkzeug zurecht leÂgen, während das Auto von selbst in die Werkstatt fährt", sagt Alexander Hass. Zwar ist der Zeitgewinn bei einem einziÂgen Auto relativ, bei hunderttausend ReÂparaturen im Jahr in den Porsche-WerkÂstätten aber bedeutet er bares Geld. Der Mitarbeiter müsse zum Beispiel auch bei regnerischem Wetter nicht mehr über den Hof laufen, so Haas. Davon versprechen sich die Zuffenhäuser weniger Reklamationen bei Werkstätten oder Händlern weÂgen verschmutzter Autoinnenräume. Das Besondere an dem Projekt, so SteÂfan Jenzowsky, sei, dass die Technik mit heutigen Autos funktioniere - zwar längst nicht mit allen, aber mit erstaunlich vieÂlen. Die KI kann das Auto (fern-) steuern, wenn Gas und Bremse elektronisch funkÂtionieren, das Auto ein Automatikgetriebe sowie eine WLAN-Schnittstelle zur ÜberÂtragung der Daten hat. Weitere Technik wie zum Beispiel ein Fahrassistenzsystem ist nicht notwendig.
Gedanken darüber, wie man die Idee auch anderweitig einsetzen könnte, haben sich die Verantwortlichen natürlich auch gemacht. Da man bereits viele Daten geÂsammelt habe, die die KI nutzen kann, sei das Konzept „leicht skalierbar." Was so viel heißt wie: Es funktioniert theoretisch nicht nur in Werkstätten, sondern auch anderswo. Vorausgesetzt, die KI weiß, wie die Umgebung aussieht.
Parken ohne Parkplatzsuche
Denkbar ist zum Beispiel, Autos, die in der Fabrik vom Band rollen, selbstständig auf den Parkplatz fahren zu lassen, auf dem sie stehen, bis sie verschickt oder abgeholt werden. Bislang beschäftigen Autobauer dafür Tausende Mitarbeiter. Die Autos könnten sich anschließend auch selbst auf Züge oder in Container verladen - ein weiterer Kostenfaktor, der wegfallen würÂde. Die Kamerabilder, mit denen die FahrÂzeuge bislang bis auf zehn Zentimeter exÂakt manövriert werden können, würden auf so engem Raum nicht mehr genügen. Aber mit Lasertechnik würde es funktioÂnieren, sagt Jenzowsky. Er hat keine Angst, dass sich die Idee bald selbst überÂholt, wenn eine neue Generation Autos auf den Markt kommt, die mit so viel ReÂchenleistung ausgestattet sind, dass sie die Aufgabe selbst übernehmen können. „Das dauert bestimmt noch ein bisschen."
Die Verantwortlichen bei Porsche haÂben sich zum Ziel gesetzt, die Technik in den kommenden fünf bis sechs Jahren so weiterzuentwickeln, dass sie angewendet werden kann. Dazu müssen Sicherheit und Stabilität des Systems noch verbesÂsert werden. Tatsächlich könnten dann nicht nur die Autobauer selbst, sondern auch Autofahrer von ihm profitieren.
Ein Beispiel sind Parkhäuser: Wer etwa auf dem Weg zum Flughafen spät dran ist, könnte sich zumindest die Zeit für die SuÂche nach einem freien Stellplatz fürs Auto sparen. Das übernimmt dann die KünstliÂche Intelligenz.
Dass Stefan Jenzowsky und seine MitÂarbeiter ihre Idee gerade bei Porsche verÂwirklichen durften, hat den CEO am AnÂfang selbst überrascht. Beim SportwagenÂbauer aus Zuffenhausen gehört die sogeÂnannte Driver Experience, also das emoÂtionale Erlebnis beim Fahren, seit jeher zum Markenkern. Nach dieser Maxime baut die Marke mit dem Pferdchen im LoÂgo Autos. Dem Fahrer das Lenkrad sozusaÂgen aus der Hand zu nehmen passt desÂhalb zu Porsche so gut wie eine ausgelauÂfene Batterie in den Biomüll.
Das Beispiel in Ludwigsburg zeigt aber, dass die Autobauer durchaus die Zeichen der Zeit erkannt haben. Es dürfte ihnen aber auch vor Augen geführt haben, wie lange es noch brauchen wird, ehe Autos auch auf der Straße alleine fahren. Stefan Jenzowsky verweist in die USA und China. Dort sei das Klima für Start-ups, die sich mit autonomen Fahren beschäftigen, sehr viel besser.
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